Geschichte

– Festschrift

Eckdaten der evangelischen Pfarrgemeinde A. u. H. B. Dornbirn
1861 Erlass des „Protestantenpatents“(Kaiser Franz Joseph I.)
1903 Erster evangelischer Gottesdienst im Hotel „Rhomberg“ in Dornbirn
1907 Gründung der Predigtstation Dornbirn
1912 – 1915 „Friedhofsstreit“
1919 Grundstückskauf in der Rosenstrasse
1924 Einweihung des Betsaals in Lustenau
1930 Feier zur Gebrauchsübergabe des Geläutes für die Heilandskirche
1930/31 Kirchenbau in Dornbirn
1931 Einweihung der Heilandskirche nach den Plänen von Otto Bartnik
1951 Dornbirn wird Pfarrgemeinde;
Einweihung der Notkirche in Lustenau
1955 – 1957 Errichtung des Gemeindehauses
1955/56 „Dornbirn-Streit“
1961 Protestantengesetz
1986 Lustenau kommt zur Pfarrgemeinde Dornbirn
2004 Renovierung der Heilandskirche innen (Bestuhlung, Fussboden, Heizung) und neue Orgel
2007 Sanierung Pfarrhaus – Wohnung
2013 Aussenrenovierung der Heilandskirche (Fassade, Vorplatz und Umgebung)

Pfarrerinnen und Pfarrer
1907 bis 1917 Karl Krcal (aus Bregenz), Predigtstation Dornbirn
1917 bis 1952 Helmuth Pommer (aus Bregenz), Predigtstation Dornbirn
1950 bis 1981 Eugen Liepold, ab 1951 Pfarrgemeinde Dornbirn
1981 bis 2007 Wolfram und Sabine Neumann
2007 / 2008 Andrea Hofacker
2009 Vakanzvertretung durch Amtsauftrag: Hans u. Gisele Deppe (Goslar, D)
2009 ab 1. September Michael Meyer

Errichtung der „Notkirche“ in Lustenau 1950

Helmuth Pommer, aus dem Jahresbericht 1950

Das Dritte Ereignis des Berichtsjahrs, das von besonderer Bedeutung ist, betrifft unsere zweite Tochter, die kleine evangelische Gemeinde Lustenau. Ihr, die im Jahr 1924 unter Mithilfe des unvergesslichen Pfarrers Dr. Gantenbein in Reutte, Kanton Appenzell, gegründet wurde, ist wahrhaftig ganz unerwarteterweise „das Los gefallen aufs Lieblichste“. Sie hielt seit ihrer Begründung ihre Gottesdienste in einem ehemaligen, aber nun als Kohlenschuppen benützten Klassenzimmer der alten Rheindorfer Schule, die uns vor nun 25 Jahren die Marktgemeinde zur Verfügung gestellt hatte, und das die Schweizer Brüder zu einem freundlichen Betsaal umgebaut hatten. Nachdem der Bürgermeister der Marktgemeinde schon vor zwei Jahren versucht hatte, uns diesen Raum streitig zu machen, woran ihn eine Schweizer Intervention hinderte, schritt er nun kurzerhand zur Tat. Als ich eines Tages das Nötige für den Sonntagsgottesdienst vorbereiten wollte, fand ich die Einrichtungsgegenstände des Betsaals, Kanzel, Altar, Bänke usw. usw. im Spritzenhaus der Feuerwehr abgestellt. Das war im September bei Schulbeginn. Dieses unqualifizierbare Vorgehen, mit dem man uns einfach und buchstäblich den Stuhl vor die Tür gestellt hatte, erregte den gerechten Unwillen der Brüder in der benachbarten Schweiz, an die ich mich hilfesuchend gewendet hatte mit der Bitte: „Kommt herüber und helft uns!“ Am 29 .September 1950 wurde ich bereits durch Dekan Wieser in Berneck zu einer Sitzung des St. Galler Komitees des Hilfsvereines der evang. Kirchen der Schweiz eingeladen zur Berichterstattung über den ganzen Fall. Mit einer ersten Gabe von S 12.000.– zum sofortigen Ankauf eines geeigneten Bauplatzes kehrte ich aus St. Gallen heim. Über alles Erwarten gelang es mir, sofort einen überaus günstigen Bauplatz im Zentrum von Lustenau in der Rosseggerstraße zu erwerben. Auf die Mitteilung hievon überwiesen mir die Schweizer Brüder eine neuerliche Spende von S 30.000.

Und nun ging es ans Planen. Da war freilich guter Rat teuer. Das einfachste Projekt erforderte etwa 70 bis 80.000 S und war dabei noch so dürftig, dass es wirklich nur eine Notlösung gewesen wäre. Dann fiel mir das eindrucksvolle Buch meines Jugendfreundes, des Prof. Dr. Otto Bartning, des Erbauers der Dornbirner Kirche und des Erneuerers der Bregenzer in die Hände, in dem er über den Bau von 43 Notkirchen in Deutschland berichtet. Dieses Büchlein des weltberühmten Architekten und Kirchenerbauers wies mir den rechten Weg. Ich brachte in Erfahrung, dass bei Gebr. Ulmer in Dornbirn ein neues, nicht aufgerichtetes Siedlungshaus nach dem Maria-Theresien-Typ lagere und preiswert zu kaufen sei. Ich griff, nachdem ich die Bauteile durch einen Fachmann hatte überprüfen lassen, rasch zu und erwarb es um den Betrag von S 15.750.–.

Und so war die kleine Gemeinde und ihre Mutter Bregenz Besitzerin eines Maria Theresienhauses geworden. Es durch Herausnahme der Wände und das Einziehen von Bindern, die das Dach tragen, zu einem geräumigen Betsaal umzubauen, war die nächste Aufgabe.

Je weiter der Plan fortschritt, desto überzeugender konnte ich den Brüdern in der Schweiz durch fortlaufend vorgelegte Pläne dartun, dass etwas Ordentliches und seiner Bestimmung Würdiges in Lustenau zustande kommen würde. Und je mehr mir das gelang, desto freudiger opferten die Schweizer Brüder, bis sie einen Gesamtbetrag von S 73.695.- zustande gebracht hatten. Das ganze Bauvorhaben und planen, die Geldbeschaffung und die Bauaufsicht lagen auf mir, und für alles trug ich die einzige Verantwortung, nachdem, wie noch zu berichten sein wird, die Landessuperintendentur am 23.10.1950, Zl. 684/50, mir die Vollmacht erteilt hatte, ohne vorherige Genehmigung, das Erforderliche zu veranlassen, und das Presbyterium in seiner Sitzung vom 20.11. diese Vollmacht seinerseits bestätigt hat. Dass trotz der fortgesetzt sich steigernden Preise, die bis zuletzt immer alle Berechnungen über den Haufen warf, alles so gut ablief, dass wir fast ohne jedes Defizit durchkommen konnten, erfüllt mich mit großer Dankbarkeit und Freude. Auch dieser Gegenstand wird uns noch einmal heute Abend beschäftigen bei der Beratung des zwischen 5) und

6) einzuschiebenden Punktes der Tagesordnung: „Nachträgliche Genehmigung des Grundkaufes und des Baues der Notkirche in Lustenau“.

Diese sog. Notkirche wurde am 11. März 1951 eingeweiht und ist somit 60 jahre alt. Sie
befindet sich in der Roseggerstrasse und dient heute noch als Kirche.1986 kam Lustenau wieder unter die Pfarrverwaltung von Dornbirn
Zurzeit leben in Lustenau 250 evangelische Gemeindemitglieder.

zusammengestellt von Wolfgang Olschbaur, Juli 2011

60 Jahre Evangelische Pfarrgemeinde Dornbirn

Durch die am 10. Dezember 1951 offiziell beglaubigte Aufwertung der Predigtstelle Dornbirn zu einer eigenen Pfarrgemeinde wurde ein weiterer Meilenstein gesetzt. Daraus folgten die Wahlen der Gemeindevertretung des Presbyteriums und des Pfarrers. Somit ging Eugen Liepold als erster Pfarrer bei der Wahl am 14./15. Juni 1952 hervor. Seine feierliche Amtseinführung erfolgte am 12. April 1953.

Die Errichtung des Pfarr- und Gemeindezentrums neben der Heilandskirche begann mit der Grundsteinlegung am 23. Juli 1955. Die Einweihung des großteils fertiggestellten Hauses erfolgte am 12./13. Oktober 1957. Wiederum waren die finanziellen Anstrengungen der Gemeindemitglieder, anderer Gemeinden und des Gustav-Adolf-Vereins beispielgebend.
Das 1955/56 als „Dornbirn-Streit“ in die Kirchengeschichte eingegangene Problem der Zusammenfassung der beiden Gemeinden der A.- und H. B.-Kirchen führten aufgrund der konfessionellen Sonderstellung Vorarlbergs zu komplizierten Auseinandersetzungen. Diese konnten aber durch ein Ausgleichsverfahren – ein sogenanntes „Dissimulierungsverfahren“ aus der Welt geschafft werden.
Zum hundertjährigen Jubiläum des Protestantenpatentes wurde am 6. Juli 1961 auch das sogenannte „Protestantengesetz“ über äußere Rechtsverhältnisse der evangelischen Kirche in Österreich erlassen. Wenig später fand auf Initiative von Kurator Dr. Hladik die Gründung des „Verbandes Evangelischer Gemeinden in Vorarlberg“ am 13. April 1963 statt.
Bereits ein Jahr später wurde die neue Orgel in der Notkirche in Lustenau eingeweiht.
Auf besonderes Bestreben von Pfarrer Liepold erfolgte 1977 die Einweihung eines Gedenksteins
für Kriegsopfer neben der Heilandskirche in Dornbirn.
Eine bedeutende Zäsur erfuhr die Pfarregemeinde Dornbirn im Jahre 1981, als OKR Pfarrer E. Liepold in Pension ging. Sein Nachfolger, Pfarrer Wolfram Neumann, wurde am am 3. Oktober 1982 in sein Amt eingeführt. Im folgenden Jahr kam es zu einem Abkommen zwischen den Pfarrgemeinden Dornbirn und Bregenz zur probeweisen Betreuung der Predigtstelle Lustenau von Dornbirn aus, die nach der erfolgten Umfrage in der Pfarrgemeinde 1985 für eine Umpfarrung nach Dornbirn stimmte. Die direkte Folge dieser Wahl war die Umpfarrung der Predigtstelle Lustenau zur Gemeinde Dornbirn am Neujahrstag 1986. Dadurch erhöhte sich der Mitgliederstand der Pfarrgemeinde Dornbirn auf rund 1.500 Seelen. Auch die evangelischen Mitglieder der Stadt Hohenems fallen unter die Betreuung der Gemeinde Dornbirn. Ihre Gottesdienste feiern sie in der röm. kath. Rathauskapelle der Stadt.
Die notwendige Renovierung unserer Pfarrkirche konnte in den Jahren 2003/04 durchgeführt werden. Ein neuer Parkettboden mit Fußbodenheizung und der Austausch der Bänke durch Holzstühle verbesserten die Möglichkeiten für Gottesdienste und kulturelle Veranstaltungen. Die von der Firma Rieger aus Schwarzach hergestellte neue Orgel bietet ein neues Klangerlebnis und löste damit die aus dem Jahre 1931 stammende alte Orgel der Firma Mayer aus Feldkirch ab.
2004 erfolgte die Wahl von Pfarrer Wolfram Neumann zum Landessuperintendenten der Evangelischen Kirche H.B. in Österreich.

Am 31. August 2007, nach 25 jähriger Tätigkeit, traten Pfarrer Wolfram und Pfarrerin Sabine Neumann in den Ruhestand. Vm 1. September 2007 bis 31. Dezember 2008 war Frau Andrea Hofacker Pfarrerin unserer Gemeinde . Ab 1. September 2008, hervorgegangen aus einemWahlverfahren, hat Pfarrer Michael Meyer sein Amt in Dornbirn übernommen. seit November 2011 ist er auch Mitglied des Oberkirchenrates HB in Wien.
In diesen 60 Jahren haben die Kuratoren mit den Presbyterien wesentlich an der Gestaltung der Pfarrgemeinde mitgewirkt :
Dipl.-Ing. Erben Adolf 1951 – 1953,
Dir. Riediger Eugen 1953 – 1958
Dr. Hladik Theodor 1958 – 1988
Hollenstein Berndt 1988 – 1994
Sauter Manfred 1994 – 1997
Dr. Kolorz Alois 1997 – 2000
Wüsthoff Axel 2000 – 2006
Dipl.-Ing. Bergmeister Uwe 2006 – 2015
Dr.phil. Werner Walter, 2015-

(Zusammengestellt aus der Festschrift anlässlich des Jubiläums 2007)

Advertisements