Mag. Michael Chalupka
Severin-Schreiber-Gasse 3
1180 Wien
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bischof@evang.at
Wien, 12. März 2020
Zahl: Gl01; 462/2020
Bitte auf allen Schreiben immer die Geschäftszahl
des Kirchenamtes anführen.
Per Mail versandt
Betreff: Gottesdienste und kirchliche Veranstaltungen
– dritte Information zum Coronavirus (SARS-CoV-2)
Liebe Schwestern und Brüder!
Mit großem Bedauern muss ich Sie neuerlich über die Entwicklung bei der Eindämmung der
Pandemie durch das Coronavirus informieren. Nachdem die Bundesregierung gestern
Maßnahmen erlassen hat, denen die Evangelische Kirche zum Schutze der Schwächsten
selbstverständlich folgt, wurden die Kirchen und Religionsgemeinschaften heute Mittag
spontan zu einem Gespräch mit der Bunderegierung ins Bundeskanzleramt gebeten.
Die Bundesregierung hat uns heute gemeinsam mit allen anderen Kirchen und
Religionsgesellschaften dringend aufgefordert, alle Veranstaltungen zu verschieben und
auch Gottesdienste auszusetzen oder auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Nach der
Einschätzung der Experten ist es im Moment besonders wichtig, dem exponentiellen Anstieg
an Corona-Infektionen durch eine absolute Minimierung von Sozialkontakten
entgegenzuwirken. Die Bundesregierung will diese weitere Beschränkung nicht auf dem
Verordnungswege erlassen, sondern appelliert hier an die Vorbildwirkung der Kirchen für
andere Teile der Gesellschaft. Ich erwarte und hoffe, dass dies auch zu einer
Gleichbehandlung aller anderen gesellschaftlichen Gruppen führen wird.
Für die Evangelische Kirche ist die weitere Beschränkung kirchlichen Lebens und vor allem
des gottesdienstlichen Lebens der Gemeinde ein schmerzvoller Schritt. Denn gerade in
belastenden Zeiten ist die frohe Botschaft des Evangeliums für Glaubende ein Lebensmittel,
das ihnen nicht vorenthalten werden darf. Aus Liebe zum Nächsten und vor allem zum
besonderen Schutz der älteren und besonders gefährdeten Menschen ist die Evangelische
Kirche jedoch bereit, ihren Beitrag zu leisten. Die Empfehlung der Experten und Expertinnen
und der Bundesregierung ist auch, die Gottesdienste derzeit auszusetzen. Die Kirchen und
Religionsgemeinschaften haben sich entschlossen, diese Empfehlung in ihrem jeweils
eigenen Bereich zu unterstützen und Gottesdienste „weitestgehend“ auszusetzen.
Diese Maßnahmen sollen ab Montag und vorerst bis zum Palsonntag gelten. Empfehlungen
für den Umgang mit der Feier der Karwoche und der Ostergottesdienste werden von der
Kirchenleitung zeitgerecht übermittelt.
Ich bitte daher alle Presbyterien, der dringenden Empfehlung der Bundesregierung und der
Kirchenleitung nachzukommen, ihre Verantwortung und Zuständigkeit nach der
Kirchenverfassung wahrzunehmen und kirchliche Feierlichkeiten inklusive Hochzeiten,
Taufen sowie sonstige Veranstaltungen abzusagen, zu verschieben oder nur mehr im
engsten Familienkreis abzuhalten.
Die Aussetzung der Gottesdienste liegt in der Evangelischen Kirche in der Verantwortung der Presbyterien. Dabei sind die lokalen Besonderheiten in der Entscheidungsfindung
abzuwägen. Die Superintendenten sowie ich selbst stehen natürlich jederzeit zur Verfügung.
Die Kirchen sollen aber insbesondere zu den üblichen Gottesdienstzeiten weiter offen
bleiben, um den Menschen Gelegenheit zum Gespräch, zur Andacht und zum Gebet zu
geben. Denn gerade jetzt sind Zuwendung, Zuspruch, Trost und Hilfe wichtig, und ich
bedanke mich bei allen, die hierfür zur Verfügung stehen! In welcher Weise das kirchliche
Leben, die Seelsorge und die Verkündigung in den nächsten Wochen gestaltet werden
sollen, kann den Gemeinden im Gottesdienst am kommenden Sonntag bekanntgegeben
werden. An einem zusätzlichen Verkündigungsangebot, das online mitgefeiert werden kann
und zum Gebet einlädt, wird derzeit gearbeitet.
Nachdem die Bundesregierung zur Eindämmung der Infektionen durch das Coronavirus
beschlossen hat, Schulen zu schließen und den Unterricht bis Ostern einzustellen, ist damit
auch der Konfirmandenunterricht in den Pfarrgemeinden jedenfalls bis Ostern auszusetzen.
Ebenso sind Freizeiten im Zusammenhang mit der Konfirmandenarbeit abzusagen, analog
der Absage von Schulveranstaltungen und Exkursionen.
Grundsätzlich gilt diese Maßnahme so lange, bis die Bundesregierung nach dem Epidemie –
Gesetz die einschränkenden Maßnahmen aufhebt. Wir bitten die Verantwortlichen in den
Pfarrgemeinden um Verständnis für diese Maßnahme, ggf. kann auch überlegt werden, die
Konfirmation in den Herbst zu verschieben.
Ebenso ersuche ich, von Sitzungen der Gemeindevertretung abzusehen. Eine Verfügung mit
einstweiliger Geltung zur Erstreckung der Frist zur Vorlage der Rechnungsabschlüsse ist
bereits auf dem Weg.
Ich ersuche Euch und Sie, der derzeitigen Situation mit Zuversicht und Gottvertrauen
entgegenzutreten. Bei aller körperlicher Distanz, die in diesen Tagen nötig ist, ist es zugleich
notwendig, im Glauben näher zusammenzurücken, füreinander zu beten, dass einer dem
anderen zum Segen werde.
Ich grüße Euch und Sie mit der heutigen Tageslosung:
„HERR, führe meine Sache und erlöse mich; erquicke mich durch dein Wort.“
Ihr/Euer Bischof Michael Chalupka
Mag. Michael Chalupka
Bischof
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