Wittenberg

Das Ökumenische Bildungswerk Dornbirn veranstaltete vom 11. bis 14. Mai eine Studienreise nach Sachsen-Anhalt auf den Spuren Martin Luthers. 48 Personen nahmen an dieser Reise teil, die von Dipl. Ing. Uwe Bergmeister und Dr. Marc Gilet geplant und begleitet wurde. Gleich zu Beginn der Fahrt wurden Worte Luthers gelesen, die eindringlich davor warnen sich als „lutherisch“ oder nicht zu deklarieren, die Bezeichnung „christlich “ genüge vollkommen… Am ersten Tag wurde noch im Bus vor der Mittagspause in Bamberg (mit Dombesichtigung) die geschichtliche Entwicklung der Ablasslehre seit dem Frühchristentum bis heute dargestellt, der Vortrag am Nachmittag war der kleinen Stadt Wittenberg und deren Universität gewidmet, zur Zeit als Luther dort seine Karriere begann. Nach einer langen Fahrt und zwei großen Staus erreichten wir schließlich unser Hotel in Dessau, wo wir drei Nächte verbrachten. Der zweite Tag galt Wittenberg. Zwei fachkundige Damen führten uns durch die Wirkungsstätten Luthers: die Schlosskirche (mit den Gräbern von Luther und Melanchton), die Pfarrkirche (mit dem berühmten Reformationsaltar und anderen Gemälden von Cranach), die alte Universität, das Kloster und Haus von Luther, und noch vieles mehr… Am dritten Tag besichtigten wir das Bauhaus in Dessau. Wir erfuhren sehr viel über diese bedeutende Kunstschule, über ihren Gründer Walter Gropius, und über die Ideen des neuen Wohnens, die in den Bauhaus-Werkstätten Gestalt annahmen. Eine Führung durch das Bauhausgebäude und durch die Meisterhäuser (Klee-Kandinsky-Haus) machte augenscheinlich, wie bahnbrechend das Bauhaus gewesen ist. Am Nachmittag fuhren wir nach Magdeburg und bewunderten dort einen Teil der rekonstruierten Altstadt, den Dom und das Hundertwasser-Haus. Den Abend verbrachten wir in der Brauerei Wasserburg zu Gommern, mit Bier-Degustation und Abendessen.
Der Vormittag des vierten Tages war Bartholomäus Bernhardi gewidmet. Nach einem Referat über das Leben dieses Reformators aus Schlins, der Student, Kollege und Freund Luthers war, erreichten wir Kemberg, wo er von 1518 bis zu seinem Tod 1551 Pfarrer gewesen ist. Bernhardi ist einer der drei Priester, die heirateten, und gilt damit als der Gründer des evangelischen Pfarrhauses. Nach dem Gottesdienst erklärte uns der Kurator dieser Pfarre die Kirche von Kemberg. Beim anschließenden gemeinsamen Mittagessen erzählte er uns vom Leben in der Pfarre, von der kirchlichen Situation unter dem DDR-Regime, und auch von seinem Pfarrer, der, vollkommen von administrativen Tätigkeiten befreit, sich ganz der Seelsorge widmen kann und so im Durchschnitt 5 Familien pro Tag besucht….
Und so war diese Fahrt eine kurze aber prägnante Begegnung mit Martin Luther, mit der deutschen Geschichte – vor allem mit der Reformation -, mit einem deutschen Bundesland, dessen Einwohner zu 80 bis 90 % konfessionslos sind , aber den Namen „Luther“ sehr wohl zu vermarkten wissen ! Es war auch, wie Uwe Bergmeister es in seiner Abschlussrede betonte, eine schöne Erfahrung des gemeinsamen Kennenlernens in einem Klima der Toleranz und der Sympathie, im Geiste der Ökumene.
Marc Gilet

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