Ökumenischer Gottesdienst

Was erwarten sich die Kirchen vom Staat? Zu diesem Thema haben sich in einem vom ORF aufmerksam beobachteten ökumenischen Gottesdienst am 22.10. 2017 die Evangelische Pfarrgemeinde Dornbirn und die Altkatholische Gemeinde in Vorarlberg getroffen. In seiner Predigt über das Jesuswort „Gebt dem Kaiser was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist“ (Mat. 22, 23) stellte Bischof John Okoro sinngemäß fest: Heute ist weltweit eine Spaltung unserer Gesellschaften zu beobachten – in Österreich und Europa und weltweit. Diese Polarisierung ist traurig, fand Okoro, der die Gastfreundschaft Afrikas in Europa schmerzhaft vermisst. Die materielle Orientierung an der Konsumgesellschaft sei dafür verantwortlich. Wir seien deshalb umso mehr eingeladen, die spirituelle Kraft des Glaubens neu zu entdecken: Glaube schenkt Halt und Orientierung. Materialismus befördert Neid und ein Wettrennen um Geld und Profit. Das Jesuswort aber lädt ein, zu teilen und mit dem Herzen zu entscheiden.
Der von Pfarrer Michael Meyer moderierte Gottesdienst, an dem sich Mitglieder aus beiden Gemeinden beteiligten wurde von Orgel und Gesang unter der Leitung des Chorleiters und Organisten Helmut Sondereggers begleitet von Marvin Schenk, sowie Maria Fellner (Gesang).
Im ORF-Interview nach dem Gottesdienst sagte Meyer: Er erwarte sich von einer neuen österreichischen Regierung, dass die kirchlichen Anstrengungen in der Sorge für Arme und Flüchtlinge auch weiterhin unterstützt und die Mindestsicherung für Arme (gleich welcher Herkunft) erhalten bleiben müsse. Die Entwicklungszusammenarbeit sei aufzustocken, damit zusätzlich vor Ort in Ländern des Südens Hilfe zur Selbsthilfe geschehe.
Okoro unterstrich insbesondere die Frage nach der Zukunft des Lebens auf dieser Erde. Wie soll es gelingen, fragte er, ein menschenwürdiges Leben auf dieser Erde zu garantieren, wenn wir kommenden Generationen die Ressourcen wegnehmen? Auch aus der Sicht des Römisch-Katholischen Dekanates wird diese Ansicht unterstützt. Es gehe vor allem darum, niemand zu einem Menschen zweiter Klasse zu degradieren, meinte Dechant Erich Baldauf. Es sei darauf zu achten, dass besonders die Kinder dieser Erde in Zukunft ein lebenswertes Leben haben können. Dafür gilt es in Europa und in den Industrieländern unseren besonderen Beitrag zu leisten.
Text: M. Meyer
Fotos: Lenka Gajdosova

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